„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!“

Liebe Leser und Fans meines Blogs „Goethereise“,

leider kann ich meine geplante Reise von Venedig nach Sizilien nicht antreten. Massive Zahnprobleme und die damit verbundene Zeit der Behandlung machen es mir unmöglich in absehbarer Zeit mein Projekt zu beenden.
Berufliche Termine, familiäre Verpflichtungen und Urlaubspläne machen es sehr wahrscheinlich, die Fortsetzung meiner „Goethereise“ auf Anfang 2017 zu verschieben.

Herzliche Grüße
Helmut Schlaiß

p.s.  hier finden Sie Bilder (Orte die Goethe in seinem Tagebuch beschreibt)  von meinem Aufenthalt in Rom vom März 2016  : http://www.hs53.de/p_rom.html

Vicenza

Torbole, 29. Oktober 2015

Noch lange waren meine Gedanken bei Venedig. Ich war schon mehr als zwei Dutzend Male in dieser für mich immer wieder zauberhaften Stadt und somit auch mit vielen schönen Erinnerungen behaftet. Über die leider sehr negativen Veränderungen will ich hier jetzt nicht berichten.
Wie so oft war ich sehr bald wach und ich nutzte die nächtlichen Stunden um meinen überfälligen Bericht von Padua zu schreiben und mit Bildern auszuschmücken. Am Morgen hatten wir keine Eile – Otto machte einige Besorgungen in Marghera und ich überarbeitete meinen Reisebericht und stellte ihn dank WiFi ins Netz.

Wir verließen unser Campingvillage in Marghera und erreichten noch gerade rechtzeitig vor der Mittagspause die Villa Rotonda vor den Toren Vincezas. Mein Wunsch dieses Prachthaus noch bei Sonnenschein zu fotografieren hat sich erfüllt. Laut Wetterbericht soll es nämlich heute noch zu regnen beginnen.

Schon von Weitem ein prächtigerAnblick

Schon von Weitem ein prächtiger Anblick

Palladios Prachtbau - die Rotonda

Palladios Prachtbau – die Rotonda

„Heute besuchte ich das eine halbe Stunde von der Stadt auf einer angenehmen Höhe liegende Prachthaus, die Rotonda genannt. Es ist ein viereckiges Gebäude, das einen runden, von oben erleuchteten Saal in sich schließt. Von allen vier Seiten steigt man auf breiten Treppen hinan und gelangt jedesmal in eine Vorhalle, die von sechs korinthischen Säulen gebildet wird. Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben… …Dafür sieht man es auch in der ganzen Gegend von allen Seiten sich auf das herrlichste darstellen. Die Mannigfaltigkeit ist groß, in der sich seine Hauptmasse zugleich mit den vorspringenden Säulen vor dem Auge der Umherwandelnden bewegt, und die Absicht des Besitzers ist vollkommen erreicht, der ein großes Fideikommißgut und zugleich ein sinnliches Denkmal seines Vermögens hinterlassen wollte. Und wie nun das Gebäude von allen Punkten der Gegend in seiner Herrlichkeit gesehen wird, so ist die Aussicht von daher gleichfalls die angenehmste. Man sieht den Bachiglione fließen, Schiffe von Verona herab gegen die Brenta führend; dabei überschaut man die weiten Besitzungen, welche Marchese Capra unzertrennt bei seiner Familie erhalten wollte. Die Inschriften der vier Giebelseiten, die zusammen eine ganze ausmachen, verdienen wohl aufgezeichnet zu werden:

Marcus Capra Gabrielis filius qui aedes has
arctissimo primogeniturae gradui subject una cum omnibus
censibus agris vallibus et collibus citra viam magnam
memoriae perpetuae mandans haec dum sustinet ac abstinet  ***

Der Schluß besonders ist seltsam genug: ein Mann, dem so viel Vermögen und Wille zu Gebote stand, fühlt noch, daß er dulden und entbehren müsse. Das kann man mit geringerm Aufwand lernen.“

*** so könnte es übersetzt heißen:
Marcus Capra, der Sohn Gabriels, der dieses Haus der straffen/strengen Reihenfolge des Erstgeborenenrechtes unterwarf zusammen mit allen Vermögengegenständen, Feldern, Tälern und Hügeln diesseits der großen Straße und dies (alles) der ewigen Erinnerung übergab, während er es in Stand hielt und (selbst darauf) verzichtete.
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Wie auch Goethe besuchten wir sofort nach unserer Ankunft Vicenza und waren von dem Flair und den wundervollen, historischen Gebäuden sehr angetan. Goethe war ein großer Verehrer von Andrea Palladio. Palladio lebte sehr lange in Vicenza und hat viele Villen in der Stadt und im Umland gebaut. Dies war auch mit ein Grund, dass Goethe länger in Vicenza verweilte. Heute noch begegnet man Palladio auf Schritt und Tritt.

„Vor einigen Stunden bin ich hier angekommen, habe schon die Stadt durchlaufen, das Olympische Theater und die Gebäude des Palladio gesehen. Man hat ein sehr artiges Büchelchen mit Kupfern zur Bequemlichkeit der Fremden herausgegeben mit einem kunstverständigen Texte. Wenn man nun diese Werke gegenwärtig sieht,so erkennt man erst den großen Wert derselben; denn sie sollen ja durch ihre wirkliche Größe und Körperlichkeit das Auge füllen und durch die schöne Harmonie ihrer Dimensionen nicht nur in abstrakten Aufrissen, sondern mit dem ganzen perspektivischen Vordringen und Zurückweichen den Geist befriedigen; und so sag‘ ich vom Palladio: er ist ein recht innerlich und von innen heraus großer Mensch gewesen. Die höchste Schwierigkeit, mit der dieser Mann wie alle neuern Architekten zu kämpfen hatte, ist die schickliche Anwendung der Säulenordnungen in der bürgerlichen Baukunst; denn Säulen und Mauern zu verbinden, bleibt doch immer ein Widerspruch. Aber wie er das untereinander gearbeitet hat, wie er durch die Gegenwart seiner Werke imponiert und vergessen macht, daß er nur überredet! Es ist wirklich etwas Göttliches in seinen Anlagen, völlig wie die Force des großen Dichters, der aus Wahrheit und Lüge ein Drittes bildet,dessen erborgtes Dasein uns bezaubert.“

Palladio ist überall gegenwärtig
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Der Höhepunkt unserer Visite war der Besuch des „Teatro Olympico“. Es ist schwer zu beschreiben – man muss es einfach selber gesehen haben. Erbaut wurde es in den Jahren 1580 bis 1585 unter der Leitung, wie kann es anders sein, des Architekten Andrea Palladio

Im Olympische Theater

Im Olympischen Theater

 „Das Olympische Theater ist ein Theater der Alten, im kleinen realisiert und unaussprechlich schön, aber gegen die unsrigen kommt mir’s vor wie ein vornehmes, reiches, wohlgebildetes Kind gegen einen klugen Weltmenschen, der, weder so vornehm, noch so reich, noch wohlgebildet, besser weiß, was er mit seinen Mitteln bewirken kann.“

Ich war überwältigt von der Schönheit des Theaters

Ich war überwältigt von der Schönheit des Theaters

Auf dem Weg zur Basilika des Palladio begann sich dann auch schon das Wetter zu ändern. Die Wolken wurden immer dichter und man spürte, dass es bald regnen wird. Da der Campingplatz in Vicenza schon geschlossen ist – dies war auch der Grund, dass wir zuerst nach Padua und Venedig gefahren sind – suchten wir uns noch vor der einbrechenden Dunkelheit einen geeigneten Platz für unser Nachtquartier. In der Stadt wollten wir nicht bleiben und fuhren deshalb wieder zur Rotonda. Die Gegend ist sehr ländlich geprägt und wir fanden, mehr durch Zufall,  ein Schild: B&B 200 m. Dort angekommen fragten wir den Besitzer, ob wir vor seinem B&B unsere Autos abstellen und die Nacht verbringen dürften. Er war sehr freundlich und stimmte sofort zu. Wir haben noch für den nächsten Morgen ein Frühstück geordert und sind dann mit dem „Kaffenberger“ in eine ca. drei Kilometer entfernte Pizzeria gefahren. Die Nacht war angenehm ruhig und ich hörte mal wieder Geräusche, die mir von zu Hause sehr vertraut waren, nicht wie die letzten Tage Straßenlärm und Glockengeläut, sondern das Rufen von Eulen und das Zwitschern einer Nachtigall. Bei meinem morgendlichen Spaziergang durch die angrenzenden Wiesen und Felder sind mir fünf Rehe begegnet. Ich fühlte mich sehr wohl. Es war angenehm warm und es hat nicht, wie angekündigt, geregnet. Der dann aber gegen halb acht richtig loslegte und es sah so aus, als würden die Wetterprognosen recht behalten. Am neun gab es Frühstück und unser Hausherr bestätigte, was ich befürchtete: Dauerregen. Wir hatten noch nette Gespräche mit ihm und zwei seiner Gäste, einem älteren Ehepaar aus Kanada.

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Otto beim Frühstück im B&B

Otto beim Frühstück im B&B – im Hintergrund der Inhaber

Mein Vorhaben, die Villen und Gebäude Palladios in Vicenza zu besuchen und zu fotografieren, konnten wir vergessen. Da ich dieses Jahr, nicht wie geplant bis Rom, sondern nicht weiter als Venedig den Spuren Goethes folgen wollte, war der Entschluss, die Heimreise anzutreten schnell gefasst.* Für Otto war die auch ok. Er will noch auf die Berghütte „Hochganghaus“ in der Nähe von Meran. Dort will er einige Tage, wie mit den Wirtsleuten beim letztjährigen Besuch vereinbart, beim Bewirten der Gäste mithelfen. Ein wenig wehmütig verließen wir Vicenza und fuhren via Verona und Lazise denselben Weg wie bei der Herfahrt wieder nach Torbole. Zwischendurch hörte es auf zu regnen und wir hatten immer wieder mal einen Blick auf den Gardasee.

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Ich fuhr ein wenig schneller voraus und traf kurz vor Torbole Asbjǿrn mit seinem Fiat – wie klein ist doch die Welt. Er hat sein Quartier in Lazsise und will noch vor Einbruch der Nacht den Gardasee umrunden! Während wir miteinander plauderten stieß auch Otto zu uns und war freudig überrascht unseren Oldtimerfreund zu sehen.

So schnell trifft man sich wieder

So schnell trifft man sich wieder

Es war sehr kalt geworden und wir nutzten kurz eine Regenpause für ein gemeinsames Mittagessen und ich für meine Büroarbeit. Ich führte noch ein Telefonat mit den Mahrs aus Langenau, die zurzeit in Bozen Urlaub machen. Leider haben sie Morgen schon andere Pläne und wir können uns leider nicht treffen.

Vor 6 Wochen noch voll - jetzt sind wir fast die letzten Besucher ...

Vor 6 Wochen noch voll – jetzt sind wir fast die letzten Besucher …

.. nicht ganz.

.. nicht ganz.

Der Wind nahm an Heftigkeit zu, es begann wieder zu regnen und es wurde sehr schnell dunkel.

Jetzt ist es 1 Uhr in der Nacht und der Regen prasselt seit Stunden auf mein Autodach – es schüttet wie aus Eimern gegossen. Bei Tagesanbruch geht es für Otto nach Meran und für mich nach Hause.

Chiao Gardasee

Ciao Gardasee

* Es ist mir nicht gelungen, einen geeigneten Stellplatz über die Wintermonate für mein Auto zu finden. Außerdem will ich noch ein paar Umbauten an mein R4 tätigen und in die Werkstatt muss er auch. Ich werde meine Goethereise im Frühjahr 2016 fortsetzen. Meine neue Route und einen Rückblick werde ich in den nächsten Tagen online stellen.

>>> Italienische Reise >>>

Venedig

Vicenza, den 27. Oktober 2015

Wir waren eine der Letzten in Montegrotto Terme – die meisten Camper haben im Laufe des Sonntags den Platz verlassen. Kurzes Gespräch mit Asbjǿrn – es wurden noch einige Bilder gemacht, Telefonnummern ausgetauscht und dann ging‘s los in Richtung Venedig. Wir kämpften uns gegen 9 Uhr durch den morgendlichen Berufsverkehr Paduas. Der neue Campingplatz „Jolly delle Quere“ war aber trotz einiger Staus schnell erreicht. Am Eingang des Platzes begrüßte uns eine Gondel – wir waren angekommen. „Jolly delle Quere“ ist kein Campingplatz im üblichen Sinne – er ähnelt mehr einem Dorf mit Straßen, Plätzen und Häusern. Auf mich wirkte er wie ein Auffanglager für Flüchtlinge und das Zimmer in unserem Haus Nr. 199 hatte den Charme einer Gefängniszelle. Es war aber alles pico bello sauber und für uns fast schon ein wenig Luxus im Vergleich zu dem beengten Raum in unseren Autos. Ich entschied mich aber trotzdem in meinem vertrauten EinMannWohnmobil zu nächtigen und überließ Otto das Appartement. Nachdem das bürokratische Prozedere erledigt war machten wir uns zur ca. 15 Gehminuten entfernten Bushaltestelle in Marghera auf. Ein orangefarbener Bus der Linie 6 brachte uns dann zur Piazzale Roma in Venedig.

Otto war erst einmal in seiner Studentenzeit in der Lagunenstadt. So lag es nahe, dass ich als alter Kenner der Serenissima ihm mein ganz persönliches Venedig zeigen wollte. So verließen wir sehr bald den Touristenpfad und zogen durch die Gassen von Cannareggio. Kurz einen Ombre, vorbei am Ghetto in Richtung Arsenale der ehemaligen Schiffswerft Venedigs mit seinen mächtigen Löwen am Eingangsportal. In Castello, einem sehr ursprünglich gebliebenen Sestiere, gibt es die von der Familie geführte „Tratoria alla Ramea del Piave“ mit einfachen, aber vorzüglichen Gerichten und sehr süffigem Hauswein. Pünktlich zur Mittagszeit sind wir angekommen und haben inmitten von venezianischen Arbeitern – die Meisten haben dort ihr Abo-Essen – einen Tisch bekommen. Am Nebentisch saß ein junges Paar, das sich am heutigen Tag verlobt hat – es war schön anzusehen, wie die zwei Verliebten miteinander Zärtlichkeiten austauschten und sich tief in die Augen schauten. Wie immer hat es sehr gut geschmeckt und Otto hat zum ersten Mal „Spaghetti Nero“ (Spaghetti mit schwarzer Soße vom Tintenfisch), eine Spezialität des Hauses, gegessen. Danach folgten wir der Via Garibaldi bis zur Riva degli Sciavoni. Auf dieser breiten Uferpromenade mit herrlichem Panoramablick erreichten wir über die Seufzerbrücke das Herz der Stadt – den Piazza San Marco mit der gleichnamigen Basilika und dem Campanile. Wie immer überfüllt mit Touristen aller Nationen. Vorbei am weltberühmten Café Florian verließen wir den Markusplatz und ich zeigte Otto das Hotel „San Moise“, in dem ich letztes Jahr gewohnt habe. Über den Campo San Stefano kamen wir zur Accademia Brücke von der man eine großartige Sicht über den Canale Grande zur Kirche „Santa Maria della Salute“ hat. **
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** „Am 22. Oktober 1630 gelobte der Doge Nicolò Contarini der Madonna eine Kirche, mit der Bitte um Beendigung der Pest, die seit 1630 in der Stadt wütete und bei der die Stadt rund 46.000 Einwohner (ein Drittel ihrer Bevölkerung) verlor. Die Kirche sollte an exponierter Stelle am Bacino di San Marco gegenüber dem Dogenpalast errichtet werden. Aus dem ausgeschriebenen Wettbewerb ging der Venezianer Baldassare Longhena, ein Schüler Scamozzis, als Sieger hervor, obwohl der Senat zunächst lieber einen römischen Architekten engagiert hätte…“
>>> weiter Info in Wikipedia
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Ich zeigte Otto noch eine Werkstatt in der die „Forcola“, der Ruderbalken der Gondel, gefertigt wird. Die Forcola ist ein Kunstwerk in sich und jeder Gondoliere pflegt und hütet sie wie einen Schatz – eine steht auch im „Museum Of Modern Art“ in New York. Vorbei an „Santa Maria della Salute“ kamen wir zum beliebten Aussichtspunkt an der Dogana. Von dort hat man einen tollen Blick auf das gegenüberliegende Ufer mit dem nicht zu übersehenden Dogenpalast, den Kuppeln von San Marco und dem Campanile. Es dämmert bereits, als wir auf der Zattere flanierten. Beim „Rio San Trovaso“ machten wir noch einen kleinen Schlenker zu einer der letzten Gondelwerften. Es wurde langsam dunkel und wir steuerten die Busstation an. Durch die Gassen von Dosoduro, ein sehr reizvoller und kaum von Touristen frequentierter Stadtteil, und nach einem kleinen Abschiedstrunk erreichten wir kurz nach 18 Uhr die Piazzale Roma. Nach so einem wunderbaren Tag in Venedig blieb die Campingküche kalt und wir gönnten uns noch im Ristorante des Campingplatzes ein Abendessen. Otto verzog sich in seine Gefängniszelle und ich in meinen liebgewonnenen Renault.

Unser Tag in Bildern:

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So nun aber zu Goethe. Im November 2014 war ich für 10 Tage auf den Spuren Goethes in Venedig unterwegs. Im Gegensatz zu heute war es damals sehr regnerisch und ich hatte jeden Tag das Vergnügen mit Gummistiefeln durch die Stadt zu waten – es war die Zeit von „Aqua alta“.

Es war für mich so eine Art Probe, ob es mir gelingt, zu den Texten seiner Italienische Reise die Bilder passenden Bilder zu machen. Ob es mir gelungen ist – urteilen Sie selbst:

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„So stand es denn im Buch des Schicksals auf meinem Blatt geschrieben, dass ich 1786 den achtundzwanzigsten September, abends, nach unserer Uhr um fünf, Venedig zum ersten Mal, aus der Brenta in die Lagunen einfahrend, erblicken und bald darauf diese wunderbare Inselstadt, diese Biberrepublik betreten und besuchen sollte. So ist denn auch, Gott sei Dank, Venedig mir kein bloßes Wort mehr, kein hohler Name, der mich so oft, mich, den Todfeind von Wortschällen, geängstigt hat.“

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„Als die erste Gondel an das Schiff anfuhr – es geschieht, um Passagiere, welche Eil’ haben, geschwinder nach Venedig zu bringen – erinnerte ich mich eines frühen Kinderspielzeuges, an das ich vielleicht seit zwanzig Jahren nicht mehr gedacht hatte. Mein Vater besaß ein schönes mitgebrachtes Gondelmodell; er hielt es sehr wert, und mir ward es hoch angerechnet, wenn ich einmal damit spielen durfte. Die ersten Schnäbel von blankem Eisenblech, die schwarzen Gondelkäfige, alles grüßte mich wie eine alte Bekanntschaft, ich genoss einen lang entbehrten freundlichen Jugendeindruck.“

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„Nach Tisch eilte ich, mir erst einen Eindruck des Ganzen zu versichern, und warf mich, ohne Begleiter, nur die Himmelsgegenden merkend, ins Labyrinth der Stadt, welche, obgleich durchaus von Kanälen und Kanälchen durchschnitten, durch Brücken und Brückchen wieder zusammenhängt.“

Ein Buch (PDF-Datei) mit mehr Texten und Bildern finden Sie auf meiner Homepage – www.hs53.de

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Vor einem Jahr

>>> Italienische Reise >>>

Padua

Marghera/Venezia, 27. Oktober 2015

Nach ca. 100 km Fahrt auf der Autostrada war Montegrotto schnell erreicht. Montegrotto ist ein Heilbad nahe Padua mit warmen Thermalquellen und entsprechend schönen Bädern und Kurhotels.

Ankunft in

Ankunft in Montegrotto

Unsere feuchten Klamotten und das Bettzeug wurden zum Trocknen in die Sonne gelegt. Danach konnten wir es kaum erwarten ins Schwimmbad zu kommen. Was für eine Wohltat – nach Tagen ohne Dusche und den kalten Nächten – im über 30 Grad warmen Wasser zu schwimmen und zu relaxen!

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Nach ausgiebigem Duschen und in frischen Klamotten gab es noch ein einfaches Mittagessen aus der Campingküche.

Gegen 14 Uhr waren wir schon im nur 12 Kilometer entfernten Stadtzentrum von Padua. Wie in den meisten italienischen Städten gestaltete sich die Parkplatzsuche sehr schwierig. Schließlich fanden wir doch noch einen sehr zentral gelegen Platz. Zuerst kamen wir mit der Bezahlweise nicht zurecht – eine sehr freundliche Frau erklärte uns dann den Ablauf: Bei der Einfahrt zum Parkplatz wird die Autonummer gescannt. Diese muss man dann bei der Abfahrt in einen Computer ähnlichen Kassenautomat eingeben, der, nachdem man bezahlt hat, die Info an die Schranke bei der Ausfahrt weitergibt … – „Big Brother is watching You!“

„Palazzo della Ragione“

„Palazzo della Ragione“

In einiger Entfernung konnte man schon das riesige Dach des „Palazzo della Ragione“ erkennen – das ist mir aus Bildern von meinen Recherchen bekannt ist. Mit dem Bau des Palastes, der in Europa zur Epoche der Stadtrepubliken erbauten Denkmäler anerkannt ist, wurde 1218 begonnen. Er war das Zentrum des bürgerlichen und kommerziellen Lebens der Stadt und diente bis 1797 als städtisches Gericht. Unter den beiden langen Bogengängen des Erdgeschosses bilden dutzende von Läden eine malerische Markthalle, welche die angrenzenden antiken Märkte der „Piazza delle Erbe“ und der „Piazza della Frutta“ vervollständigt. Zwischen 1306 und 1308 verwandelte Fra‘ Giovanni degli Eremitani die drei großzügigen Räume des Obergeschosses in einen einzigen, 82 Meter langen und 27 Meter breiten Saal und schuf eine neue Decke mit der Form eines umgekehrten Schiffrumpfes. Für die Freskenmalerei des Raumes, der zum „größten hängenden Saal der Welt“ werden sollte, wurde den Quellen nach der Florentiner Giotto beauftragt ….
>>> mehr Info

In der Markthalle. Nichts für Pferdeliebhaber -

In der Markthalle. Nichts für Pferdeliebhaber …

Heiße Maronen

Heiße Maronen auf dem Piazza della Frutta

Ich war genauso von der Größe des Saales beindruckt wie damals Goethe.

Der große Saal

Der große Saal mit dem Foucault-Pendel

>>> Foucaultsches Pendel

Die riesigen Dimensionen und die dunklen Lichtverhältnisse machten es mir nicht möglich ein „gutes“ Foto zu bekommen. So beschloss ich am nächsten Tag mit Stativ wieder zu kommen.
Nach dem Besuch einer Touristinfo und ausgestattet mit einem Stadtplan gingen wir immer der Via Roma folgend direkt zum schönsten Platz Paduas – dem „Prato della Valle“.
Auch hier war es mir verwehrt, ein angemessenes Bild zu bekommen. Der ganze Platz war von hunderten Marktständen und Autos regelrecht abgeriegelt. Um sicher zu gehen, dass am Sonntag kein Markttag ist, fragte ich eine Verkäuferin. Die mir dann ein wenig traurig aber zu meiner Freude sagte, dass der „Große Markt“ nur heute stattfindet.“

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Die nahe gelegene „Kirche der heiligen Justine“ verweilte Goethe gerne um zur Ruhe zu kommen.

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„So verweil‘ ich auch gern in der Kirche der heiligen Justine. Diese vierhundertfünfundachtzig Fuß lang, verhältnismäßig hoch und breit, groß und einfach gebaut. Heut‘ abend setzt‘ ich mich in einen Winkel und hatte meine stille Betrachtung; da fühlt‘ ich mich recht allein, denn kein Mensch in der Welt, der in dem Augenblick an mich gedacht hätte, würde mich hier gesucht haben.“

Wir besorgten uns noch frisches Gemüse und was man als Camper noch alles so braucht. Mit dem schwindenden Tageslicht erreichten wir unseren Parkplatz – 17 Euro für ca. 5 Stunden! Am Campingplatz angekommen bereitete ich eine Gemüsepfanne zu und Otto spendierte eine Flasche Rotwein. Unser Campingnachbar, Asbjǿrn Funder aus Dänemark, kam mit seinem Fiat 500 (Baujahr 1959) gerade von der Oldtimermesse in Padua an. Drei Oldtimerfreunde hatten sich gefunden und es gab genug Stoff für lange Gespräche.

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Asbjǿrn Funder mit seinem Fiat 500

Wir machten noch Pläne für den nächsten Tag und gingen zufrieden zu Bett.
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In der Nacht wurde die Uhr auf Winterzeit zurückgestellt und so begrüßte uns die Sonne eine Stunde früher. Der Sonntag machte seinem Namen alle Ehre und mildere Temperaturen als die Tage zuvor machten uns gute Laune. Und so ging es nach dem Frühstück gleich los in die Stadt. Nach langem Suchen fanden wir einen geeigneten Parkplatz – am Sonntag kostenlos!!!

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Mein Panoramfoto vom „Großen Saal“

„Der Audienzsaal des Rathauses, mit Recht durch das Augmentativum Salone betitelt,das ungeheuerste abgeschlossene Gefäß, das man sich nicht vorstellen, auch nicht einmal in der nächsten Erinnerung zurückrufen kann. Dreihundert Fuß lang, hundert Fuß breit und bis in das der Länge nach ihn deckende Gewölbe hundert Fuß hoch. So gewohnt sind diese Menschen, im Freien zu leben, daß die Baumeister einen Marktplatz zu überwölben fanden. Und es ist keine Frage, daß der ungeheure überwölbte Raum eine eigene Empfindung gibt. Es ist ein abgeschlossenes Unendliches, dem Menschen analoger als der Sternhimmel. Dieser reißt uns aus uns selbst hinaus, jener drängt uns auf die gelindeste Weise in uns selbst zurück.“

P1100402Während ich mein Panoramabild im großen Saal des „Palazzo della Ragione“ machte, gönnte sich Otto ein zweites Frühstück. Ich ließ Otto mit seinem Cappuccino und der schönen Stimmung auf dem Marktplatz zurück und machte mich auf den Weg zum „Prato della Valle“. Was für ein toller Anblick, der Platz ohne Marktstände und noch relativ wenigen Besuchern.  Es war eine wahre Freude bei Traumwetter an einem solchen magischen Ort Bilder zu machen. Otto gesellte sich wieder zu mir und wir umrundeten und durchquerten das schöne Oval.

Prato della Valle

Prato della Valle

„Der große Platz, Prato della Valle genannt, ist ein sehr weiter Raum, wo der Hauptmarkt im Juni gehalten wird. Hölzerne Buden in seiner Mitte geben freilich nicht das vorteilhafteste Ansehn, die Einwohner aber versichern, daß man auch bald hier eine Fiera von Stein wie die zu Verona sehen werde. Hiezu gibt freilich schon jetzt die Umgebung des Platzes gegründete Hoffnung, welche einen sehr schönen und bedeutenden Anblick gewährt.
Ein ungeheures Oval ist ringsum mit Statuen besetzt, alle berühmten Männer vorstellend,welche hier gelehrt und gelernt haben. Einem jeden Einheimischen und Fremden ist erlaubt, irgendeinem Landsmann oder Verwandten hier eine Bildsäule von bestimmter Größe zu errichten, sobald das Verdienst der Person und der akademische Aufenthalt zu Padua bewiesen ist.
Um das Oval umher geht ein Wassergraben. Auf den vier Brücken, die hinaufführen, stehen Päpste und Dogen kolossal, die übrigen, kleiner, sind von Zünften, Partikuliers und Fremden gesetzt. Der König von Schweden ließ Gustav Adolfen hinstellen, weil man sagt,derselbe habe einmal in Padua eine Lektion angehört.Der Erzherzog Leopold erneuerte das Andenken Petrarchs und Galileis. Die Statuen sind in einer braven modernen Manier gemacht,wenige übermanieriert, einige recht natürlich, sämtlich im Kostüm ihrer Zeit und Würden. Die Inschriften sind auch zu loben. Es findet sich nichts Abgeschmacktes und Kleinliches darunter.“

Danach schlenderten wir durch die Stadt und erreichten nach einer Stunde einen Flussarm der Brenta, an dem wir unter riesigen Platanen gegen 14 Uhr Ottos „Kaffenberger“ erreichten.

Für Otto bleibt Padua als die Stadt der vielen Kirchen in Erinnerung

Für Otto bleibt Padua als „die Stadt der vielen Kirchen“ in Erinnerung (hier die Basilika des hl. Antonius)

Eine halbe Stunde später saßen wir vor unseren Oldies und es gab das restliche Gemüse zum Mittagessen. Otto relaxte und ich begann meinen Reisebericht zu schreiben und die passenden Bilder zu bearbeiten. Da ich in Verona nur bedingt Möglichkeit zum Schreiben hatte war viel nachzuholen. Drei Stunden später ging dann mein neuer Beitrag online.

Endlich Zeit für meinen Reisebericht

Endlich Zeit für meinen Reisebericht

Abends besuchten wir zum ersten Mal Montegrotto. Riesige, mondäne Hotels, einen großen Dom – aber keine gemütliche Pizzeria. So landeten wir nach kurzem Sightseeing im Ristorante auf unserem Campingplatz und waren von dem sehr guten Essen und dem freundlichem Service angenehm überrascht.

Mit großer Vorfreude auf den nächsten Tag – es geht nach Venedig! – krochen wir glücklich und zufrieden in unsere Autos.

>>> Italienische Reise >>>

Verona

Montegrotto Terme (Padua), 25. Oktober 2015

Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir am Mittwochmorgen von Torbole, der östlichen Uferstraße folgend, den Gardasee entlang Richtung Süden. Das Wetter hätte nicht schöner sein können – angenehme 19 Grad und wolkenloser blauer Himmel. Rechts von uns bot der See immer wieder tolle Ausblicke und links wurden die Berge immer imposanter. So gestaltete sich die Fahrt sehr kurzweilig und schnell war unser erstes Ziel, Lazise via Garda und Bardolino, erreicht.

Lazise - Teile der Burg und Stadtmauer

Lazise – Teile der Burg und der Stadtmauer

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Lazise – links von meinem Kopf die Taverna „Da Obeste“

Uns geht es richtig gut

Uns geht es richtig gut

20151022_124507In den Jahren 1976 bis 1982 war ich aus beruflichen Gründen regelmäßig in Verona. Wenn mir nach einem langen Arbeitstag die Hitze und Hektik der Stadt zu viel waren bin ich oft an den Gardasee und nach Lazise gefahren. Meistens verbunden mit einem schönen Abendessen in der „Taverna da Obeste“, die für ihre sehr guten lokalen Fischgerichte bekannt war. Schon beim Betreten der Altstadt von Lazise wurden immer mehr Erinnerungen in mir wach und mir war es richtig warm ums Herz. Als ich dann zum kleinen Hafen kam und „meine“ Taverna sah, war mir, als wäre ich erst gestern hier gewesen. Es hat sich in den über 30 Jahren fast nichts verändert. Ich war neugierig auf die Speisekarte – und tatsächlich werden immer noch Gerichte mit Fischen aus dem Gardasee angeboten. Mit dem Unterschied, dass die Karte damals nur in italienische Sprache war und nicht wie heute auch auf Deutsch.

Nach einem Frühschoppen, einer guten Kugel Eis und einem Spaziergang auf der Uferpromenade brachen wir gegen 13 Uhr wieder in Richtung Verona auf. Die Stadt war schnell erreicht und Dank Navi unser Campingplatz „Castel san Pietro“ schnell gefunden. Leider standen wir vor verschlossenem Tor. Bei meinen Recherchen zu Hause hatte ich gelesen, dass der Campingplatz bis Ende Oktober geöffnet sei – dem war leider nicht so. Was tun? Der sehr schön gelegene Platz auf einem Hügel mitten in der Stadt ist die einzige Möglichkeit in Verona und der näheren Umgebung zu Campen. Ein Hotel kam für uns nicht in Betracht und so war die Entscheidung, möglichst mitten in der Stadt auf einem öffentlichen Parkplatz unsere Oldies zu parken, schnell getroffen. Der an der alten Stadtmauer gelegene „Park Stazione Ovest“ wurde dann unsere Wahl. Er liegt strategisch günstig, ist bezahlbar und machte auf uns einen sicheren Eindruck.

Wie für die meisten Touristen ging es direkt zum Wahrzeichen der Stadt: Die Arena – das über 2000 Jahre alte Amphitheater. Auch jetzt erging es mir ähnlich wie in Lazise – vieles ist mir, trotz der vielen vergangenen Jahre, so vertraut und ich finde mich auch ohne Stadtplan sehr gut in der Stadt zurecht. Otto war auch schon in Verona und so haben wir zwei „Veronakenner“ uns viel zu erzählen. Was wir ausgiebig, bei einem völlig überteuerten Bier, auf der „Piazza Bra“ direkt bei der Arena tun. Die Sonne stand schon recht tief und tauchte die Arena in ein schönes, rötliches Licht – das erste Motiv war gefunden.

Arena die Verona

„Arena di Verona“

„Das Amphitheater ist also das erste bedeutende Monument der alten Zeit, das ich sehe, und so gut erhalten!“

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„Von der äußern Mauer steht nur ein Stück, und ich zweifele, ob sie je ganz fertig geworden. Die untern Gewölbe, die an den großen Platz, il Brà genannt, stoßen, sind an Handwerker vermietet, und es sieht lustig genug aus, diese Höhlungen wieder belebt zu sehen.“

„Castelvecchio“ bei Nacht

Da wir zwar einen Platz für unsere Autos, aber keinen „richtigen“ Campingplatz hatten wollten wir nur in unseren „EinMannWohnmobilen“ schlafen. Um die anstehende Zeit im Auto zu verkürzen machten wir einen langen Spaziergang durch das nächtliche Verona. Immer mal wieder durch einen „kleinen Roten“ in einer Bar unterbrochen gelangten wir dann doch recht früh in unser Nachtquartier. Es war kalt geworden und die Temperatur sank in der Nacht auf 6 Grad! In unseren Autos kondensierte die Atemluft und die sich bildenden Tropfen fielen uns immer mal wieder ins Gesicht und unterbrachen unsere (zumindest meine) Träume. Das konnte aber unsere Stimmung nicht trüben und nach einer heißen Tasse Tee bei Sonnenaufgang ging es wieder auf Erkundungstour.

Auf unserem Parkplatz - Helmut plant den neuen Tag

Auf unserem Parkplatz – Helmut plant den neuen Tag

„Porta del Palio“

In der Nähe unseres Parkplatzes ist das Tor „Porta del Palio“ das Goethe wie folgt beschreibt:

„Das schönste, aber immer geschlossene Tor heißt Porta stuppa oder del Palio. Als Tor und in der großen Entfernung, aus der man es schon gewahr wird, ist es nicht gut gedacht; denn erst in der Nähe erkennt man das Verdienst des Gebäudes.

Sie geben allerlei Ursachen an, warum es geschlossen sei. Ich habe jedoch eine Mutmaßung: die Absicht des Künstlers ging offenbar dahin, durch dieses Tor eine neue Anlage des Korso zu verursachen, denn auf die jetzige Straße steht es ganz falsch. Die linke Seite hat lauter Baracken, und die winkelrechte Linie der Mitte des Tores geht auf ein Nonnenkloster zu, das notwendig hätte niedergelegt werden müssen. Das sah man wohl ein, auch mochten die Vornehmen und Reichen nicht Lust haben, sich in dem entfernten Quartier anzubauen. Der Künstler starb vielleicht, und so schloß man das Tor, wodurch die Sache nun auf einmal geendigt war.“

„San Zeno“

20151023_101204Das nächste Ziel war „San Zeno“. Dort gönnten wir uns in einer Bar ein zweites Frühstück und mit jedem Schluck seines Cappuccinos wurde Otto munterer. Mein Orangensaft tat dasselbe und so sind wir dann auch frischen Mutes weiter gezogen.

„Castellvecchio“

An der Etsch entlang kamen wir zum „Castelvecchio“ mit seiner malerischen Brücke. Von da steuerten wir unser Tagesziel, den „Giardino Giusti“ an. Eine Gedenktafel an der „Goethe-Zypresse“ erinnert an sein Verweilen in diesem schön angelegten Garten aus dem 16.Jahrhundert. Es war sehr angenehm und entspannend nach stundenlangem Sightseeing in der Stadt an einem so ruhigen Ort zu sein.

Gedenktafel an der Goethe-Zypress (Text siehe auch im grauen Feld)

Gedenktafel an der Goethe-Zypresse (Text siehe auch weiter unten im grauen Feld)

„Giardino Giusi“

„Diese Zweige bracht‘ ich aus dem Garten Giusti, der eine treffliche Lage und ungeheure Zypressen hat, die alle pfriemenartig in die Luft stehen. Wahrscheinlich sind die spitz zugeschnittenen Taxus der nordischen Gartenkunst Nachahmungen dieses herrlichen Naturprodukts. Ein Baum, dessen Zweige von unten bis oben, die ältesten wie die Jüngsten, gen Himmel streben, der seine dreihundert Jahre dauert, ist wohl der Verehrung wert. Der Zeit nach, da der Garten angelegt worden, haben diese schon ein so hohes Alter erreicht.“

Wenn man Goethes Worte liest und seinen Gefühlen freien Lauf lässt hat sich Nichts verändert. Die gewaltigen Zypressen die pfeilartig zum Himmel streben …

Spätesten beim Besuch des „Casa di Giulitta“ war mir klar, dass die Zeit seit meinen Aufenthalten in Verona nicht still gestanden ist. Musste ich noch bei meinem ersten Besuch des wohl berühmtesten Balkons der Welt, das Haus der Julia suchen, weisen jetzt schon dutzende Hinweisschilder in der Stadt den Weg dorthin und beim näher kommen reiht sich ein Souvenirladen an den anderen. Man sieht nur noch Herzen in allen Farben und Größen.

Der berühmteste Balkon der Welt

Der wohl berühmteste Balkon der Welt

Ohne Komentar

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Auch der naheliegende Piazza Erbe hat sich sehr verändert. Der einst so ursprüngliche Obst- und Gemüsemarkt (leider musste ich auch ertragen wie dort im Herbst und Frühjahr massenweise tote Singvögel feilgeboten wurden) ist zum reinsten Kitschladen verkommen. Die klassischen, den Platz bestimmenden Stoffschirme sind noch da – was darunter aber zum Kauf angeboten ist der Worte nicht wert.

Ein bisschen wehmütig schlenderten wir in der Abenddämmerung weiter zur Arena. Wie damals Goethe bestieg ich die Arena und genoss im schrägen Licht der Abendsonne das Treiben auf der „Piazza Bra“ und die Aussicht über die Dächer Veronas.

„Piazza Bra“

„Ich ging auf der Kante des amphitheatralischen Kraters bei Sonnenuntergang, der schönsten Aussicht genießend über Stadt und Gegend. Ich war ganz allein, und unten auf den breiten Steinen des Brà gingen Mengen von Menschen: Männer von allen Ständen, Weiber vom Mittelstande spazieren.“

Wir machten noch Einkehr in einer urigen Osteria und durften uns an einem Büfett bedienen – kostenlos. Nur der Wein wurde abgerechnet. Nach der Abzocke auf den touristisch stark frequentierten Orten war das eine freudige Überraschung.

Noch kurz ein Schlummertrunk (der Rotstich des Fotos kommt vom Finger des Wirtes - er war zu nahe am Blitz)

Noch kurz ein Schlummertrunk (der Rotstich des Fotos kommt vom Finger des Wirtes – er war zu nahe am Blitz)

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Die Panne mit dem verschlossenen Campingplatz machte mich stutzig und ich erkundigte mich nochmal über den Campingplatz in Vicenza, die nächste Stadt auf unserer Goethereise. Auch dieser hat nur bis zum 18. Oktober geöffnet! Dieses Mal war es aber mein Fehler. Ich hatte zu Hause die Internetseite nicht gründlich genug studiert. Plan B ist nun, nach Padua zu fahren und dort im sicher noch offenen Campingplatz bei Montegrotto unser neues Quartier auf zu schlagen.
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Etwas später wie am Vortag krochen wir in unsere Autos. Ich hätte gerne meinen Reisebericht geschrieben und meine Bilder bearbeitet. Wir hatten aber keinen Strom und außerdem wollten wir nicht auf unser wildes Campen aufmerksam machen. Also Licht aus und bis zum Morgen durchhalten.

Am nächsten Morgen Abfahrt nach Padua …

>>> Italienische Reise >>>

kalte Nächte – warme Tage

Torbole, 22. Oktober 2015

Mit einem Tag Verspätung ging es am Dienstag wieder los. Die Hochzeit meines Sohnes, der gemeinsame Jahresurlaub mit meiner Frau und eine Erkältung liegen hinter mir und die neuen Abenteuer auf Goethes Spuren vor mir.
Dieses Mal bin ich nicht alleine unterwegs – Otto mein Oldtimerfreund begleitet mich. Er hat fast das gleiche Auto wie ich. Die „alten Langenauer“ werden das Auto sicher wieder erkennen – es war der Wagen der Firma Elektro-Kaffenberger. Für ihn und seinen ebenfalls 30 Jahre alten roten R4 F6 ist es die Jungfernfahrt. Otto und ich planen für 2016 eine gemeinsame Fahrt nach Frankreich.

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Zwischenstopp im Karvendel

Es gibt immer was zu schrauben

Es gibt immer was zum Schrauben

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Kurz nach dem Brenner an der Mautstelle

Wie bei meiner vorherigen Fahrt ging es über Benediktbeuern (mit traditionellem Besuch des Klosterbräustübles), Walchensee, Innsbruck, über den Brenner nach Torbole am Gardasee. Von Langenau bis zum Kochelsee war es sehr neblig und eiskalt. Ab Walchensee wurde es immer sonniger und wärmer. Dort besuchten wir kurz die Familie Hochstetter – sie erinnern sich sicher noch an die Geschichte mit der Harfe. Gegen 15 Uhr erreichten wir den Brenner und es bot sich uns ein herrliches Alpenpanorma – schneebedeckte Berge und strahlend blauer Himmel. Es war mir alles sehr vertraut. Als wir pünktlich zum Sonnenuntergang Torbole erreichten, war es fast wie zu Hause anzukommen.

Ein vertrauter Anblick - Torbole und der Gardasee

Ein vertrauter Anblick – Torbole und der Gardasee

Nach dieser genau 500 Kilometer langen Tagesreise beschlossen wir zwei Nächte in Torbole zu bleiben und den nächsten Tag hier zu verbringen.

Frühstück auf dem Campingplatz

Frühstück auf dem Campingplatz

Nach einer kalten Nacht – im Auto waren es gerade mal 8 Grad – begrüßte uns um 9 Uhr die Sonne und der azurblaue Himmel machte uns Hoffnung auf einen schönen Tag. Die wärmenden Sonnenstrahlen bescherten uns angenehme Temperaturen zum gemeinsamen Frühstück auf dem Campingplatz.

An der Seepromenade

An der Uferpromenade

Ohne Kommentar

So fühlten auch wir

Bei meinem letzten Aufenthalt in Torbole noch unentdeckt

Bei meinem letzten Aufenthalt in Torbole noch unentdeckt

Danach flanierten wir am Seeufer entlang nach Torbole. Da Otto noch nie in Malcesine war und ich die Stadt ohne den sommerlichen Touristenstrom erleben wollte, fuhren wir kurz entschlossen mit dem Schiff direkt dort hin. Malcesine war auch der Ort an dem meine vorherige Goethereise endete. Es war sehr entspannend, diesen malerischen Ort, ohne die zur Hauptsaison üblichen Menschenmassen zu erleben. Auch das Castello – wo Goethe der Spionage verdächtigt wurde – war fast menschenleer. Wir haben den Tag sehr genossen und ließen ihn gebührend bei einem Glas Rotwein im Hafen von Malcesine ausklingen. Zur Krönung des Tages erlebten wir bei der Rückfahrt mit dem Schiff nach Torbole noch eine herrliche Abendstimmung auf dem See.

Immer ein Motiv wert - der Hafen von Malcesine

Immer ein Motiv wert – der Hafen von Malcesine

In Malcesine

In Malcesine

Auf der Rückfahrt von Malcesine

Auf der Rückfahrt nach Torbole

Otto hatte gelesen, dass heute das Champions League Spiel Juventus Turin gegen Borussia Mönchengladbach ausgetragen wird. Da die Italiener mindestens so große Fußballanhänger sind wie wir Deutschen, erhofften wir uns in irgend einer Bar oder in einem Restaurant einen spannenden Fußballabend. Weit gefehlt. Keine Fans, keine Liveübertragungen, einfach nichts! Wir dachten schon, wir hätten uns im Datum geirrt, bis wir dann auf dem Weg zum Campingplatz in einer Hotelbar eine kleine Gruppe vor einem Großbildfernseher sitzen sahen – es war tatsächlich das besagte Spiel. Wir setzten aber unseren Heimweg unverrichteter Dinge fort.

Zuvor waren wir noch in Arco und ich habe mir dort einen Heizlüfter gekauft. Meine Erkältung hat sich zurückgemeldet und ich brauche eine warme Bude zum Arbeiten. Leider war er beim ersten Probelauf im Auto gleich defekt. Also nochmal zum 4 Kilometer entfernten Elektrogeschäft und einen neuen – diesmal aber kein Billiggerät aus China – besorgt.

Jetzt ist es 3.30 Uhr in der Nacht und ich sitze bei angenehmen Temperaturen in meinem „EinMannWohnmobil“ und schreibe diesen Bericht …

Gruß an unsere Frauen

Gruß an unsere Frauen, Kinder und Freunde

>>> Italienische Reise >>>
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Anmerkung für Fotografen: Ich wurde immer wieder gefragt, mit welcher Kamera ich fotografiere. Die Dokumentation meiner Reise (Farbfotos) mache ich mit meinem Smartphone (LG-G4) und die S/W-Bilder für meine geplante Ausstellung ausschließlich mit der LEICA M Monochrome mit dem APO-SUMMICRON asph. 2/50 mm.

Bei Kaiserwetter wieder nach Hause

Langenau, Donnerstag 18. September 2015

Genau eine Woche war nun seit meinem Aufbruch zum Gardasee vergangen und gestern stand die Heimreise an.

In der Nacht wurde mein Auto immer wieder von heftigen Windböen durchgeschüttelt und so war an einen guten Schlaf nicht zu denken. Da es außerdem außergewöhnlich mild war nützte ich die Zeit um zum Schreiben und Daten sichern. Bei Tagesanbruch verließ ich Innsbruck bei strahlend blauen Himmel und sommerlichen Temperaturen. Kurz nach Zirl stand meinem treuen Gefährt seine bisher härteste Bewährungsprobe bevor. Über einen Kilometer ging es sehr steil bergauf (14 % Steigung)! Im zweiten Gang hat er es mit Bravour gemeistert.

Das Karwendelgebirge

Das Karwendelgebirge

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In Wallgau

Ab Seefeld zeigte sich das Karwendelgebirge von seiner schönsten Seite. Auf, mir von der Herfahrt vertrauten Straßen, fuhr ich vorbei an traumhaften Landschaften, durch malerische Dörfer, bis zu meiner ersten Rast am Walchensee. Es war fast schon wie zuhause angekommen zu sein. War doch mein erster Aufenthalt hier – Stichwort Harfe – mir noch sehr angenehm in Erinnerung.

Der Kochelsee

Der Kochelsee

Über Kochel am See erreichte ich gegen 11 Uhr  Benediktbeuern. Was für ein Unterschied zum Donnerstag vergangener Woche. Da war es, mein Wunschmotiv: Das Kloster Benediktbeuern vor der Alpenkulisse bei strahlendem Sonnenschein und obendrein noch bei angenehmen 26 Grad. Wieder ein Anlass zur Einkehr ins Klosterbräustüberl (Biergarten) – diesmal aber vor Freude über den herrlichen Tag und den gelungen Abschluss meiner Reise.

Benediktbeuern - Donnerstag 17. September 2015

Benediktbeuern – Donnerstag 17. September 2015

Benediktbeuern - Donnerstag 10.. September 2015

Benediktbeuern – Donnerstag 10.. September 2015

Gut Aiderbichl

Gut Aiderbichl

Ein Besuch im Gut Aiderbichl/ Iffeldorf bei Seeshaupt und ein kurzes Bad im Starnberger See rundeten den herrlichen Tag ab. Meine gute Laue konnte auch das nasskalte Wetter in Langenau nicht trüben und die Freude wieder zuhause bei meiner Frau zu sein war groß.

Trient – Bozen – Brenner – Innsbruck

Innsbruck/Kranebitten, Mittwoch 16. September 2015

Kurt hat nicht zu viel versprochen – Trient hat eine sehr schöne Altstadt mit herrlichen Gebäuden und schönen Plätzen. Leider zeigte sie sich nicht von ihrer Sonnenseite. Von kurzen Pausen unterbrochen regnete es während meines ganzen Aufenthalts in der Stadt.

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Der Domplatz mit dem Neptunbrunnen

Überall herrlichbemalte Fassden. Hier das Casa Cazuffi

Überall herrlich bemalte Fassaden. Hier das Casa Cazuffi

Tafel am Palazzo Galasso

Tafel am Palazzo Galasso – zum Vergrößern bitte anklicken

Palazzo Galasso - Das

Palazzo Galasso – Das „Teufelshaus“

Das freundliche Mädchen in der Touristeninfo konnte mir nicht sagen wo mein Ziel, das „Teufelshaus“ zu finden ist! Auskunft bekam ich in einer Bar, nach dem mein Italienisch nach einem „piccolo rosso“ so perfekt gewesen sein muss, dass man min Anliegen verstanden hat. Der Palazzo Galasso war auch schon gleich um die Ecke. Er war nicht zu übersehen – ist er doch der größte Palazzo von Trient! Wie bekomme ich jetzt ein passendes Bild, das für eine Ausstellung (geplant ist eine Fotoausstellung – vielleicht auch ein Buch – von meiner Goethe-Reise) taugt. Gefunden habe ich mein Motiv an der Eingangstür. Dort entdeckte ich eine Fratze – eine Teufelsfratze.

Unter www.forgottenbooks.com  kann man lesen:
„Teufelshaus“ (Casa del diavolo) bezieht sich auf eine Legende, wonach Georg Fugger in eine berüchtigte Dame (Claudia Portiuncula) verliebt war und um ihre Hand warb. Sie verweigerte sie ihm zunächst, da er ein Fremder sei und nicht einmal das kleinste Haus in Trient sein eigen nenne. Daraufhin schloss Fugger einen Pakt mit dem Teufel, der ihm dafür, dass er ihm seine Seele verschrieb, das Haus mit seinen höllischen Gehilfen in einer Nacht erbaute. In dem Vertrag mit dem Teufel befand sich aber noch eine Klausel, wonach dieser von einem Star Korn, das Fugger um den Palast ausstreuen würde, sämtliche Körner wieder auflesen musste. Dem Teufel gelang dies bis auf drei Körner, weshalb der Vertrag hinfällig wurde und der Teufel mit Gestank abfuhr und an der Stelle, wo dies geschah, ein Loch im Palast hinterließ. (Nach gütiger Mitteilung des Herrn Prof. Hans Semper in Innsbruck.)

Mein Motiv

Mein Motiv

Am Domplatz machte ich Einkehr zum Mittagessen. Während ich meinen reichhaltigen Salatteller genoss, entdeckte ich das Gesicht. Für mich spiegelt sich im Gesicht dieser jungen Studentin das ganze Trentino: Lebensfreude, Wärme, Liebe und die Freundlichkeit der Trentiner.
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Mit Freude im Herzen verließ ich Trient Richtung Norden. Der Regen hatte aufgehört begann aber genau bei meiner Ankunft in Bozen wieder. Bozen hat einen ganz anderen Charme als Trient. Hat sehr viele, gut erhaltene und schön restaurierte Häuser.

Dom

Dom „Maria Himmelfahrt“

Die Via Gothe in Bozen

Die Via Goethe in Bozen

Der Obstmarkt

Der Obstmarkt

Meine Suche galt dem Obstmarkt. Goethe schreibt in seinem Buch eine Begegnung mit Marktweibern.

„Auf dem Platze saßen Obstweiber mit runden, flachen Körben, über vier Fuß im Durchmesser, worin die Pfirschen nebeneinander lagen, dass sie sich nicht drücken sollten.“

Den Obstmarkt habe ich gefunden. Aber leider kein passendes Motiv. Nach kurzem Sightseeing kehrte ich zu meinem Auto zurück. Um schneller voran zu kommen nahm ich die Brennerautobahn. Meine Entscheidung auf der „A22-Autostrada del Brennero“ weiter zu fahren fiel auch deshalb, weil sich das Wetter zusehends verschlechterte und an Fotomotive nicht zu denken war.

Geschafft - von nun an geht es nur noch bergab (im positiven Sinne)!

Geschafft – von nun an geht es nur noch bergab (im geographischen Sinne)!

Schon vor Sterzing bildete sich ein LKW-Stau und am Brenner war alles dicht. An einer Anzeigetafel war zu lesen, dass die österreichische Grenze bei Kufstein geschlossen ist. Der Grund ist wahrscheinlich ein hohes Flüchtlingsaufkommen. Ich verließ die Autobahn und setzte meine Reise auf der „alten“ Brennerstraße Richtung Innsbruck fort. Kurz nach Steinach klarte der Himmel immer mehr auf. Als ich unterhalb der Europabrücke Rast machte, fegte mich Beinahe eine Windböe vom Platz.

 Europabrücke

Europabrücke

Ein gewaltiger Föhnsturm braute sich zusammen. Bäume bogen sich und kleinere Äste, Laub und Müll wirbelten durch die Luft. Nun hatte ich den Grund für das schlechte Wetter jenseits des Brenners. Alpenföhn: im Süden Regen und Kälte im Norden hohe Temperaturen und Sonne. Bei Innsbruck erreichter der Föhnsturm Orkanstärke.

Innsbruck ist erreicht

Innsbruck ist erreicht

Gegen 19 Uhr fuhr ich auf den Campingplatz Kranebitterhof und erlebte bei sehr milden Temperaturen dank des Föhns eine herrliche Abendstimmung.

Abendstimmung am Campingplatz

Abendstimmung am Campingplatz

Auf nach Trient

Torbole, Mittwoch 16. September 9 Uhr

Torbole, Mitttwoch 16. September 9 Uhr

Torbole, Mitttwoch 16. September 9 Uhr

Eigentlich wollte ich schon auf dem Weg nach Trient sein. Es regnet aber seit Stunden ununterbrochen und es scheint keine baldige Besserung in Sicht! Gestern Abend hat mir noch mein sympathischer Campingnachbar, ein waschechter Bergführer aus Österreich, von Trient erzählt und war der Meinung, dass es für mich als Fotograf ein absolutes Muss sei diese schöne Stadt zu besuchen. Er berichtete so schwärmerisch von der Altstadt und weckte damit in mir eine richtige Vorfreude auf den Besuch der Hauptstadt des Trentino am nächsten Tag.

Kurt und ich vor der Abreise. Kurt hat seine Wurzeln im Trentino.

Kurt und ich vor der Abreise. Kurt hat seine Wurzeln im Trentino.

Ich werde trotz der Wetterumstände in ca. einer Stunde in die nur 40 km entfernte Stadt aufbrechen und schaun, ob ich das von Goethe beschriebene „Teufelshaus“ finde.

Diese und viele andere Umstände zeigen mir immer wieder, dass es nicht einfach ist und sein wird, die Goethereise in kurzer Zeit nach zu reisen. Goethe kam, sah und schrieb – ich komme, suche, warte und fotografiere. Die Suche nach den Originalschauplätzen und das Warten auf den richtigen Moment gestalten sich nicht immer einfach. Was die Sache zwar interessant macht, aber auch sehr viel Zeit erfordert. Die Bekanntschaften, die kleinen Abenteuer und das „herumzigeunern“ möchte ich schon jetzt nicht mehr missen und ich freue mich auf die Zeit die noch vor mir liegt.

Sollte sich das Wetter nicht wirklich bessern, werde ich heute meine Heimreise antreten und mich um meinen Patienten (meinen R4) kümmern.

Am kommenden Montag heiratet mein Sohn Ferdinand und da ist der Vater natürlich dabei. Anschließend geht es mit meiner Frau Petra in unseren wohl verdienten Jahresurlaub nach Andalusien. Ob ich dann Mitte Oktober die Reise fortsetzen kann mache ich von den Wetterumständen abhängig – mit meinem 30 Jahre alten Auto kann und will ich nicht bei Schnee, Matsch und salzigen Straßen über die Alpen fahren. Im Frühjahr geht es aber ganz sicher wieder los und dann heißt es:

Vom Gardasee nach Sizilien