Assisi

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Geweckt wurde ich heute Morgen von einem anhaltenden Grunzen. Wildschweine? Der Campingplatz liegt zwar in einem Waldgebiet aber dass die bis zu den Campern kommen schien mir doch unwahrscheinlich. Ein Blick aus dem Auto klärte die Situation: das vermeintliche Wildschwein ist ein kleiner wuscheliger Hund meiner italienischen Nachbarn! Ein Grund, dass ich nochmals nach Assisi und nicht direkt nach Siena gefahren bin ist die Suche nach dem Weg, den Goethe von Assisi nach Foligno gegangen ist und ihn wie folgt beschreibt:


„Der Weg nach Foligno war einer der schönsten und anmutigsten Spaziergänge, die ich jemals zurückgelegt. Vier volle Stunden an einem Berge hin, rechts ein reichbebautes Tal.“

Blick auf Assisi

Nach zwei Stunden bergauf und bergab, mit schönen Aussichten auf Assisi, fand ich schließlich eine Stelle bei der ich dieselben Gefühle hatte wie Goethe.

Schweißgebadet aber zufrieden erreichte ich nach einer weiteren Stunde Assisi. Seit gestern ist die ganze Stadt im Ausnahmezustand. Es ist das Fest des heiligen Franziskus (er verstarb am 3. Oktober 1226). Etwas erschöpft von der langen Wanderung hielt ich mich sehr lange in der Stadt auf. Das Gelände um die Kirche des heiligen Franziskus glich einem Militärgelände. Überall Polizisten und mit Maschinengewehren bewaffnete Soldaten. Es sollen auch bekannte Größen der Politik im Ort sein. Die Ansprache und der Gottesdienst waren gerade zu Ende gegangen und eine nicht endend wollende Pilgerschar kam mir entgegen. Ich hielt noch ein paar Momente mit meinem Handy fest und begann meinen Rückzug. Wer schon einmal in Assisi war, kann mit mir mitfühlen: in der ganzen Stadt geht es entweder bergauf oder bergab, Treppen hoch oder runter, selten eine eben Stelle. So wurden meine Beine immer schwerer und ich war froh am Campingplatz angekommen zu sein. Nach einer erfrischenden Dusche begann ich bei angenehmen, sommerlichen Temperaturen in meinem Freiluftbüro, meine Beiträge für den Blog zu schreiben und meine Daten zu sichern jetzt freue ich mich auf einen abendlichen Besuch im hiesigen, sehr gemütlichen Ristorante und vielleicht wieder auf ein paar nette Begegnungen.

Bryan und Sheena

p.s. Kaum hatte ich meine Büroarbeit beendet kam ein netter älterer Mann an mir vorbei. Ich nutzte die Gelegenheit und bat ihn ein Foto von mir zu machen. Ich bedankte mich und wir wechselten noch ein paar Worte. Er erzählte mir, dass er früher auch einen Renault R4 gehabt hat. Kurze Zeit später kam seine Frau vorbei und wollte das Auto und mein „Open air Office“ sehen. Bryan und Sheena kommen aus York in England. Wir verabredeten uns zum Abendessen im Restaurant. Die Beiden sind echte Weltenbummler und mir scheint sie haben in ganz Europa Freund die sie regelmäßig besuchen. Sie waren jetzt zwei Monate in Griechenland und bleiben noch einige Wochen in Italien, bevor sie in Mannheim Freunde besuchen und von dort so nach und nach die Heimreise antreten. Wir tauschten unsere Reiseerlebnisse aus und als ich von Korfu erzählte war genug Gesprächsstoff für den Rest des Abends gesichert. Bryan und Sheena kennen die gleichen Orte, waren an denselben Badebuchten, kaufen ihr Korfubier auch direkt in der Brauerei, halfen auch schon bei der Wein- und Olivenernte mit und haben auch Freunde auf der Insel. Zum Schluss wurde es noch politisch und als die Sprache auf den Brexit kam sah man den beiden noch den Schock über den Wahlausgang an. I can’t believe it – it‘s terrible“ kam ständig aus dem Mund von Sheena. Die negativen Folgen des EU-Austritts bekommen die Briten jetzt schon deutlich zu spüren. Das Leben wird teurer, die Arbeitslosigkeit steigt und die Zukunftsangst sitzt vielen im Nacken. Voller neuer Eindrücke lag ich noch lange wach in meinem Camper. Morgen versuche ich erneut meinen Blog zu aktualisieren – gestern war die Internetverbindung vom Campingplatz zu schwach. Ich hoffe es klappt dieses Mal.

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