Überfahrt

Dienstag, 3. Oktober 2017

Das anfänglich störende, monotone Vibrieren der mächtigen Dieselmotoren, die auf dem ganzen Schiffe zu spüren waren, brachte mich dann doch zum Einschlafen. Mit einem Erkundungsgang durch das Schiff begann mein neuer Tag. Es war mild und die Sonne tauchte die Fähre in ein schönes, weiches Licht. Sie ist ein ins Alter gekommenes Schiff, das früher in Chania auf Kreta/Griechenland seinen Heimathafen hatte. Ein echter Oldtimer der so richtig zu uns passt. Die Klimaanlage scheint auch nicht mehr richtig zu funktionieren – was mir sehr entgegen kommt, denke ich nur an meine Hinfahrt im Eisschrank der super modernen Fähre Vicenzo Florio.


„Hat man sich nicht ringsum vom Meere umgeben gesehen, so hat man keinen Begriff von Welt und von seinem Verhältnis zur Welt. Als Landschaftszeichner hat mir diese große, simple Linie ganz neue Gedanken gegeben.“

Währen nur alle Motive so leicht umzusetzen gewesen wie dieses. Einfach raus aufs Schiffsdeck, Kamera auf Unendlich stellen und abdrücken – fertig!

Die meisten Passagiere sind Fernfahrer, was schon beim einschiffen der vielen LKW zu vermuten war. Mir scheint ich bin der einzige deutsche Tourist an Bord. Beim Mittagessen herrschte dementsprechend ein rauer, aber dennoch herzlicher Umgangston. Bärtige, stämmige Männer jeden Alters häuften sich Berge von Spaghetti und anderen Pastagerichten auf ihre Teller, das ich nur so staunte. Das ganze begleitet von lautstarkem Palaver. Als ich mit meinem Tablett an einem der Tische vorbeikam rief einer lautstark „tedesco“ (deutsch) wie ich den weiteren Sätzen entnehmen konnte ging es um unsere Kanzlerin „Anschela Märkel“ und „ob wir Deutschen keine richtigen Männer mehr haben und von einer Frau regiert werden müssen“. Großes Gelächter.

Ich setzte mich neben einen sehr seriösen, gut gekleideten Mann, den ich schon beim Einschiffen kennengelernt habe. Er fährt einen Leichenwagen und überführt einen Toten in seinen Heimatort auf dem Festland. Sein Auto steht neben meinem! Ich hoffe die beiden Automobile hatten eine ruhige Nacht.

Die Überfahrt verläuft ruhig und wir werden pünktlich um 16 Uhr in Civitavecchia anlegen. Für alle Kenner Goethes Italienischer Reise sei erwähnt, dass ich nicht wie er von Messina nach Neapel zurückreise. Erstens beschreibt Goethe Orte und Gebäude, die es wegen einiger schweren Erdbeben in Messina nicht mehr gibt. Zweitens war mir der Weg von Palermo Flughafen zurück nach Messina zu weit – ich hätte zu viel Zeit verloren. Und drittens habe ich Neapel und die umliegenden Orte bereits „abgearbeitet“. Somit lag es nahe bis nach Civitavecchia zu fahren und von dort weiter in die Toskana. Geplant ist eine Nacht in Assisi und dann weiter nach Siena.

 

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